Verkauf unter Preis: Die wahren Kosten von Lebensmitteln

Tatsächliche Kosten von Lebensmitteln sind viel höher

Unter Einbeziehung der Folgekosten für Umwelt und Gesellschaft müssten alle Lebensmittel mehr kosten

Verkauf unter Preis: Die wahren Kosten von Lebensmitteln
Produktionsbedingte Folgekosten für Umwelt und Gesellschaft nicht mit eingepreist

(hoga-presse) Was kosten uns Lebensmittel wirklich? Oder anders gesagt, ist der Ladenpreis, den wir an der Kasse bezahlen, der wahre Preis? Dieser Frage geht Dr. Tobias Gaugler am Institut für Materials Resource Management der Universität Augsburg in seinen Forschungen auf den Grund. 2018 erschien die Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“ Nun berechneten Gaugler und sein Team im Auftrag der PENNY Markt GmbH erneut die externen Kosten handelsüblicher Lebensmittel.

Die „wahren Kosten“ („True Costs“) von Lebensmitteln

Im Unterschied zu den aktuellen Lebensmittelpreisen zeichnen sich die „wahren Kosten“ („True Costs“) von Lebensmitteln dadurch aus, dass in diese auch Umwelt- und soziale Folgekosten eingehen, die bei der Herstellung der Lebensmittel entstehen. Sie werden von Lebensmittelproduzenten verursacht, aber aktuell – indirekt – von der Gesamtgesellschaft getragen. So zahlen die Verbraucher beispielsweise für die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft mit dem Klimawandel und seinen Auswirkungen; oder sie bezahlen mit der Wasserrechnung für die Aufbereitung von Trinkwasser, welches aufgrund von Düngemitteln belastet ist.

Mittels „True Cost Accounting“ werden nicht nur die direkten Produktionskosten in den Preis eines Lebensmittels eingerechnet, sondern auch dessen Auswirkungen auf ökologische oder soziale Systeme in Geldeinheiten umgerechnet. Diese Bilanzierung von Lebensmittelpreisen verdeutlicht welche Produkte und Produktionsformen sich langfristig wie auf die Gesundheit des Planeten und gleichzeitig den Geldbeutel der Verbraucher auswirken.

“Unsere Untersuchungen offenbaren eine teils enorme Differenz zwischen den aktuellen Erzeugerpreisen und den wahren Kosten”, resümiert Gaugler und erläutert weiter: “Die höchsten externen Folgekosten und damit größten Fehlbepreisungen gehen mit der Produktion konventionell hergestellter Nahrungsmittel tierischen Ursprungs einher. Konventionell produzierte Fleisch- und Wurstwaren müssten auf Erzeugerebene dreimal so teuer sein, wie sie derzeit sind, die zweithöchsten Aufschläge müssten für konventionell hergestellte Milchprodukte erfolgen, die niedrigsten mit für Bio-Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs.“

Mehr Beiträge zum Thema:  Was für ein Früchtchen: EDEKA sorgt mit Bio-Fruchtjoghurt "NUR" für pures Geschmackserlebnis

Kostentreiber Stickstoff

Bei tierischen Produkten ist die Höhe der externen Kosten v. a. durch die energieintensive Aufzucht der Nutztiere bedingt: Futtermittelanbau, Beheizung und Belüftung der Ställe sowie der Stoffwechsel der Tiere führen zu Austragungen von reaktivem Stickstoff und von Treibhausgasen sowie zu Energiebedarfen, die beutend höher sind als bei pflanzlichen Produkten.

Vergleicht man konventionelle mit ökologischen Produktionspraktiken, führen vor allem der Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger sowie ein geringerer Einsatz von industriell produziertem Kraftfutter in allen untersuchten Lebensmittelkategorien zu geringeren externen Kosten und Preisaufschlägen für ökologische Produkte.

Gaugler: „Für viele negative Klima-, Umwelt- und Gesundheitsfolgen, die sich aus der Produktion von Lebensmitteln ergeben, kommen aktuell weder die Landwirtschaft noch die Konsumenten auf. Hier handelt es sich um eine Form von Marktversagen, der mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen begegnet werden müsste.” Insbesondere Produkte aus konventioneller Nutztierhaltung müssten also deutlich mehr kosten, als dies aktuell der Fall ist.

Weitere gravierende Folgen wie die gesellschaftlich-sozialen sozialen Auswirkungen von Antibiotikaresistenzen oder die ökologischen Auswirkungen des Einsatzes von Pestiziden wurden in den Berechnungen nicht berücksichtigt.

Quelle: Universität Augsburg, Dr. Tobias Gaugler
Bildquelle: pixabay.com

Das könnte Sie auch interessieren:

Über den Autor: Frank Baranowski

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.