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Wann ist ein gewinnbringender Betrieb in der Hotellerie möglich

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Wann ist ein gewinnbringender Betrieb in der Hotellerie möglich?
Quelle: pixabay.com / FirmBee
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Ein gewinnbringender Betrieb in der Hotellerie ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer das zentrale Ziel ihres wirtschaftlichen Handelns. Gleichzeitig gehört die Hotellerie zu jenen Branchen, in denen wirtschaftlicher Erfolg stark von äußeren Einflüssen abhängt. Nachfrage, Auslastung, Preisniveau und Kostenstruktur stehen in einem sensiblen Gleichgewicht. Spätestens seit der Corona Krise ist deutlich geworden, wie schnell dieses Gleichgewicht ins Wanken geraten kann und wie hoch die Umsatzschwelle sein muss, um nachhaltig profitabel zu wirtschaften. Dieser Text zeigt auf, wann ein Hotelbetrieb als gewinnbringend gilt, welche wirtschaftlichen Kennzahlen dabei entscheidend sind und warum viele Betriebe selbst bei steigender Nachfrage noch lange keine Gewinne erzielen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der Hotellerie

Die Hotellerie ist traditionell durch hohe laufende Kosten geprägt. Personal, Energie, Instandhaltung, Finanzierung und Verwaltung verursachen Ausgaben, die größtenteils unabhängig von der tatsächlichen Zimmerauslastung anfallen. Diese Fixkostenstruktur führt dazu, dass selbst moderate Umsatzrückgänge gravierende Auswirkungen auf das Betriebsergebnis haben können. Die Coronapandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 haben diese strukturelle Schwäche besonders sichtbar gemacht. Reisebeschränkungen, Unsicherheit bei Gästen und ein massiver Rückgang der touristischen Nachfrage führten dazu, dass viele Betriebe zeitweise kaum Umsätze erzielten, während ein Großteil der Kosten weiterlief.

Ab wann arbeitet ein Hotelbetrieb gewinnbringend

Eine zentrale Antwort auf diese Frage liefert eine Analyse der KMU Forschung Austria. Auf Basis von mehr als dreitausendzweihundert Jahresabschlüssen aus den Jahren vor der Pandemie wurde untersucht, welches Umsatzniveau notwendig ist, um einen positiven operativen Gewinn zu erzielen. Das Ergebnis ist für viele Betriebe ernüchternd. Rund die Hälfte aller Beherbergungsbetriebe benötigt mindestens einundachtzig Prozent ihres früheren Jahresumsatzes, um wieder gewinnbringend arbeiten zu können. Diese Zahl verdeutlicht, wie schmal die wirtschaftliche Basis vieler Hotels ist und wie wenig Spielraum bei sinkender Nachfrage besteht.

Warum die Umsatzschwelle so hoch ist

Der Hauptgrund für diese hohe Umsatzschwelle liegt in der Kostenstruktur der Hotellerie. Ein Großteil der Ausgaben entsteht unabhängig davon, wie viele Zimmer tatsächlich verkauft werden. Dazu zählen vor allem Personalkosten, Energiekosten, Mieten oder Kreditrückzahlungen sowie Abschreibungen auf Gebäude und Ausstattung. Variable Kosten wie Reinigung, Wäsche oder Wareneinsatz im Frühstücksbereich lassen sich zwar reduzieren, wenn weniger Gäste im Haus sind. Ihr Anteil an den Gesamtkosten ist jedoch begrenzt. Dadurch sinken die Gesamtausgaben deutlich langsamer als die Umsätze, was die Profitabilität erheblich belastet.

Methodischer Hintergrund der Analyse

Für die Untersuchung wurden ausschließlich Jahresabschlüsse von Betrieben herangezogen, die vor der Krise ein positives operatives Ergebnis erzielen konnten. Ziel war es, realistische Aussagen darüber zu treffen, ab welchem Umsatzniveau ein wirtschaftlich gesunder Hotelbetrieb Gewinne erwirtschaftet. Berücksichtigt wurden Umsatzerlöse sowie alle fixen und variablen Aufwendungen, die unmittelbar mit der Erbringung der Hotelleistung verbunden sind. Dazu zählen Personalaufwand, Energie, Miete, Transport, Materialeinsatz, Abschreibungen und Finanzierungskosten. Nicht einbezogen wurden sonstige betriebliche Erträge oder Finanzerträge, die nicht direkt aus dem laufenden Hotelbetrieb stammen.

Die Rolle der Auslastung

Die Auslastung ist einer der wichtigsten Faktoren für einen gewinnbringenden Hotelbetrieb. Je näher ein Betrieb an seine durchschnittliche Auslastung aus den Vorjahren herankommt, desto eher können Fixkosten gedeckt und Gewinne erzielt werden. Besonders kritisch ist die Situation bei niedriger Auslastung, da viele Kosten weiterlaufen, während die Einnahmen stark zurückgehen. In der Praxis bedeutet das, dass ein teilweise gefülltes Hotel nicht automatisch wirtschaftlich sinnvoll ist. Unter bestimmten Umständen kann es sogar günstiger sein, einen Betrieb vorübergehend geschlossen zu halten, als ihn mit geringer Nachfrage zu öffnen und laufende Verluste zu produzieren.

Preisniveau und Ertragsmanagement

Neben der Auslastung spielt das Preisniveau eine zentrale Rolle. Viele Betriebe reagieren auf Nachfragerückgänge mit Preissenkungen, um Gäste anzulocken. Kurzfristig kann diese Strategie die Belegung erhöhen, langfristig gefährdet sie jedoch die Ertragskraft. Ein gewinnbringender Betrieb benötigt nicht nur viele Buchungen, sondern auch einen ausreichenden Durchschnittspreis pro Zimmer. Professionelles Ertragsmanagement hilft dabei, Preise flexibel an Nachfrage und Buchungszeitpunkt anzupassen, ohne dauerhaft unter das wirtschaftlich notwendige Niveau zu fallen.

Nachfragequalität als Erfolgsfaktor

Nicht jede Nachfrage wirkt sich gleich auf die Wirtschaftlichkeit aus. Gäste mit längeren Aufenthalten, Stammkundinnen und Stammkunden oder Geschäftsreisende verursachen oft geringere variable Kosten pro Nacht und sorgen für stabilere Einnahmen. Stark rabattierte Kurzaufenthalte hingegen können zwar die Auslastung erhöhen, tragen aber nicht immer zu einem positiven Betriebsergebnis bei. Ein gewinnbringender Hotelbetrieb zeichnet sich daher durch eine ausgewogene Gästestruktur aus, die sowohl eine gute Auslastung als auch ein tragfähiges Preisniveau ermöglicht.

Öffnungsentscheidungen in unsicheren Zeiten

Nach der Wiederzulassung touristischer Übernachtungen standen viele Hoteliers vor der Frage, ob und wann eine Öffnung sinnvoll ist. Umfragen der Wirtschaftskammer Österreich und der Österreich Werbung zeigten, dass zahlreiche Betriebe bewusst abwarteten. Der Grund dafür lag weniger in organisatorischen Hürden als in der wirtschaftlichen Unsicherheit. Wenn die erwarteten Umsätze deutlich unter der notwendigen Schwelle liegen, ist ein laufender Betrieb wirtschaftlich kaum vertretbar. Diese Abwägung verdeutlicht, dass ein gewinnbringender Betrieb nicht allein vom Offenhalten abhängt, sondern von realistischen Umsatzprognosen.

Grenzen von Kosteneinsparungen

Kostensenkungen sind ein wichtiger Hebel, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Kurzarbeit, reduzierte Serviceangebote oder eingeschränkte Öffnungszeiten können helfen, Verluste zu begrenzen. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Analyse, dass viele kleine und mittlere Betriebe selbst bei konsequenten Einsparungen keine Gewinne erzielen können, wenn die Umsätze zu stark einbrechen. Das bestätigt die Einschätzung der Forschenden der KMU Forschung Austria, wonach zahlreiche Unternehmen im Beherbergungssektor trotz aller Maßnahmen vor erheblichen Herausforderungen stehen und kurzfristig keine positiven Ergebnisse erwarten können.

Langfristige Strategien für mehr Profitabilität

Um langfristig gewinnbringend zu wirtschaften, reicht es nicht aus, nur auf kurzfristige Krisen zu reagieren. Erfolgreiche Hotelbetriebe arbeiten kontinuierlich an ihrer strategischen Ausrichtung. Dazu gehören flexiblere Kostenmodelle, der gezielte Einsatz digitaler Lösungen und eine klare Positionierung am Markt. Direktbuchungen, effizientes Personalmanagement und eine stärkere Bindung von Stammgästen können dazu beitragen, die Abhängigkeit von schwankender Nachfrage zu reduzieren und die Ertragskraft zu stabilisieren.

Quelle: ots

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