Ein Schatz der Geschichte droht verloren zu gehen
Das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld ist ein Ort von einzigartiger kultureller Bedeutung. Seit mehr als 130 Jahren erzählt es die bewegte Geschichte des Bergbaus im Harz und zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher aus nah und fern an. Doch diese traditionsreiche Einrichtung steht vor dem Ende. Der Stadtrat hat beschlossen, den Betrieb zum Beginn des Jahres 2026 einzustellen, weil sich kein tragfähiges Betreiberkonzept finden ließ. Damit droht nicht nur das Aus für eine bedeutende Sammlung, sondern auch ein schwerer Verlust für das Selbstverständnis und die Identität der gesamten Region.

Ein Museum mit langer Geschichte
Das Bergwerksmuseum entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts und gehört damit zu den ältesten Technikmuseen in Deutschland. Es war von Anfang an mehr als ein Ort der Ausstellung. Ziel war es, den Alltag der Bergleute, ihre Werkzeuge und Maschinen sowie ihre Lebensweise zu dokumentieren und für die Nachwelt zu bewahren. Über die Jahrzehnte wuchs die Sammlung stetig, und das Museum entwickelte sich zu einem bedeutenden Bestandteil des kulturellen Lebens in Clausthal-Zellerfeld. Heute umfasst die Einrichtung historische Gebäude, eine große Dauerausstellung, Sonderpräsentationen und ein Schaubergwerk, das den harten Arbeitsalltag der Kumpel erlebbar macht. Besucher können hier tief in die Geschichte des Oberharzer Bergbaus eintauchen und nachvollziehen, wie diese Region geprägt wurde.



Entsetzen über die drohende Schließung
Die Nachricht, dass das Museum möglicherweise schließen muss, hat viele Menschen erschüttert. Für Bürgerinnen und Bürger, die familiär mit dem Bergbau verbunden sind, ist das Museum ein Symbol der eigenen Geschichte. Es bewahrt Erinnerungen und vermittelt Werte wie Zusammenhalt, Mut und Erfindergeist. Mit der Schließung würde ein zentrales Gedächtnis der Region ausgelöscht. Auch Gäste, die den Harz besuchen, zeigen sich betroffen. Viele sehen das Museum als unverzichtbaren Bestandteil eines kulturell geprägten Ausflugs. Dass dieser Anziehungspunkt für Touristen verschwinden könnte, wird nicht nur als Verlust für Clausthal-Zellerfeld, sondern für die gesamte Harzregion empfunden.
Politische Weichenstellungen
Seit Jahren wird über die Zukunft des Museums diskutiert. Ursprünglich war die Welterbe Stiftung für den Betrieb verantwortlich. Doch der Vertrag mit ihr wurde nicht verlängert, da man eine andere Trägerschaft anstrebte. Im Gespräch waren kommunale Gesellschaften, Vereine und auch private Betreiber. Doch keine dieser Lösungen konnte letztlich umgesetzt werden. Am 17. September 2025 fiel schließlich der Beschluss des Stadtrates, das Museum zum 1. Januar 2026 zu schließen. Ein kleiner Rest an Hoffnung bleibt, da bis Anfang Dezember theoretisch noch ein neuer Betreiber gefunden werden könnte. Doch nach den erfolglosen Bemühungen der vergangenen Jahre scheint dieses Szenario wenig wahrscheinlich.
Sanierungsstau und hohe Kosten
Ein wesentlicher Grund für das Scheitern sind die massiven finanziellen Belastungen. Die Stadt Clausthal Zellerfeld ist Eigentümerin der Gebäude und trägt die Verantwortung für deren Instandhaltung. Bereits in der Vergangenheit zeigten sich enorme Kostensteigerungen bei Sanierungsprojekten. Für das historische Haus in der Bornhardtstraße 14 waren Investitionen in Höhe von sieben Millionen Euro im Gespräch. Auch das Hauptgebäude in der Bornhardtstraße 16 weist gravierende bauliche Mängel auf. Es gibt Probleme mit der Statik, und die Verwaltung hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Sicherheit der Besucher nicht mehr vollständig gewährleistet werden kann. Für eine kleine Kommune sind derartige Summen kaum zu stemmen. Ohne erhebliche Zuschüsse von Land oder Bund ist die Zukunft der Einrichtung daher praktisch unfinanzierbar.
Widerstand in der Bevölkerung
Trotz der düsteren Perspektive regt sich Protest. Zahlreiche Bürger, lokale Vereine, Historiker und Unternehmen setzen sich für den Erhalt des Museums ein. Sie sehen in der Schließung nicht nur den Verlust einer kulturellen Einrichtung, sondern auch ein fatales Signal für die gesamte Region. Der Historiker Holger Eisfelder warnte öffentlich davor, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Schon mehrfach seien bedeutende Strukturen im Harz aus Kostengründen aufgegeben worden. Der Verlust des Museums würde diesen traurigen Trend fortsetzen. Besonders deutlich äußerte sich Dr. Sebastian Röthele, Geschäftsführer des Unternehmens Sympatec. In einem offenen Brief betonte er, dass eine lebendige Kulturlandschaft entscheidend für die Attraktivität des Oberharzes sei. Er erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren viele Einrichtungen verloren gegangen sind, darunter das Krankenhaus und der Schienenverkehr. Das Museum müsse unbedingt erhalten bleiben, um weiteren Schaden abzuwenden.
Ein unverzichtbarer Teil des Welterbes
Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist nicht nur für die Stadt, sondern auch im internationalen Kontext bedeutsam. Es gehört zu den zentralen Orten, die das UNESCO-Welterbe im Harz repräsentieren. Zusammen mit der Grube Samson in Sankt Andreasberg und den Oberharzer Wasserwirtschaftsanlagen vermittelt es die außergewöhnliche Bedeutung des Bergbaus für die Entwicklung Europas. Das Museum übernimmt dabei eine zentrale Vermittlungsrolle. Es erklärt nicht nur die technischen Innovationen des Bergbaus, sondern auch die sozialen und kulturellen Folgen. Als Schaufenster des Welterbes ist es unverzichtbar, um Besuchern aus aller Welt die Bedeutung des Harzer Montanwesens zu verdeutlichen.
Bildung für Jung und Alt
Ein besonderes Merkmal des Museums ist sein Bildungsauftrag. Hier können Schulklassen den Bergbau nicht nur in Büchern lesen, sondern direkt erleben. Führungen, Workshops und Mitmachangebote sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche die harte Realität unter Tage nachvollziehen können. Auch Erwachsene profitieren von den vielfältigen Angeboten. Historische Maschinen, Werkzeuge und Dokumente machen den Einfallsreichtum der Bergleute sichtbar. Besonders eindrucksvoll ist das Schaubergwerk, das anschaulich zeigt, mit welchen Herausforderungen die Arbeiter konfrontiert waren. Dieses pädagogische Potenzial darf nicht unterschätzt werden. Ohne das Museum ginge ein zentraler Lernort verloren, der Geschichte lebendig und greifbar macht.
Bedeutung für Tourismus und Wirtschaft
Neben der kulturellen Rolle ist das Museum auch ein wichtiger Standortfaktor. Es lockt jedes Jahr zahlreiche Touristen in die Region, die nicht nur das Museum besuchen, sondern auch in Hotels übernachten, Restaurants aufsuchen und regionale Produkte kaufen. Gerade für den Oberharz, der stark vom Fremdenverkehr lebt, ist ein vielfältiges Kulturangebot entscheidend. Eine Stadt, die Museen, Ausstellungen und Veranstaltungen bietet, ist für Gäste attraktiver. Die Schließung würde daher auch wirtschaftliche Einbußen mit sich bringen.
Weiterhin spielt das Museum eine Rolle für die Ansiedlung von Unternehmen. Firmen, die nach einem Standort suchen, achten auf Lebensqualität, kulturelle Vielfalt und Bildungsangebote. Mit dem Verlust des Museums würde Clausthal Zellerfeld in dieser Hinsicht deutlich an Strahlkraft verlieren.
Ort des Austausches und der Gemeinschaft
Das Museum ist nicht nur eine Sammlung, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Regelmäßig finden dort Veranstaltungen statt, die weit über den reinen Museumsbetrieb hinausgehen. Konzerte, Vorträge und Feste bringen Menschen aller Generationen zusammen und fördern den Zusammenhalt. In einer Region, in der öffentliche Treffpunkte ohnehin begrenzt sind, nimmt das Museum eine Schlüsselrolle ein. Es ist ein Ort, an dem Geschichte auf Gemeinschaft trifft. Würde er geschlossen, ginge auch ein Teil des sozialen Gefüges verloren.
Chancen für die Zukunft
Viele Stimmen plädieren dafür, nicht vorschnell aufzugeben. Denkbar wäre eine Mischform aus hauptamtlicher Leitung und ehrenamtlicher Unterstützung. Kooperationen mit Vereinen, Schulen oder Unternehmen könnten ebenfalls neue Möglichkeiten eröffnen. Auch die Einbindung in Förderprogramme auf Landes- oder Bundesebene ist eine Option. Andere Städte haben gezeigt, dass Museumsbetrieb auch in schwierigen Zeiten gesichert werden kann, wenn kreative Modelle gefunden werden. Mit Mut und Engagement ließe sich auch im Oberharz ein Weg einschlagen, der den Erhalt ermöglicht.
Was ein Verlust wirklich bedeutet
Sollte das Museum tatsächlich schließen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Region. Verloren ginge ein einzigartiger Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden sind. Es wäre ein weiterer Schritt in einer Kette von Verlusten, die die Attraktivität des Oberharzes bereits spürbar mindern. Ein Museum, das über ein Jahrhundert lang Wissen bewahrt und vermittelt hat, darf nicht sang- und klanglos verschwinden. Der Schaden wäre kulturell, wirtschaftlich und sozial kaum wieder gutzumachen.
Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist unverzichtbar
Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist mehr als ein Ausstellungsort. Es ist ein kulturelles Herzstück, ein Bildungszentrum, ein touristischer Magnet und ein Symbol der Identität. Seine Schließung wäre ein gravierender Fehler, der die Region nachhaltig schwächen würde. Noch besteht eine kleine Hoffnung, dass sich eine Lösung findet. Politik, Wirtschaft und Bürger sind gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Wer das Museum erhält, investiert in die Zukunft des Oberharzes und sichert ein Erbe, das weit über die Grenzen der Stadt hinausstrahlt.
Quelle und Bilder: Redaktion, 30.09.2025











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