Im Norden der Halbinsel Istrien, eingebettet in die sanften Hügel rund um die Stadt Buje, liegt eine Region, die derzeit für Furore in der europäischen Weinwelt sorgt. Mit der nationalen Anerkennung als erstes herkunftsgeschütztes Weinbaugebiet Istriens hat die Bujština einen entscheidenden Schritt hin zur internationalen Sichtbarkeit unternommen. Die Initiative, angeführt von Luciano Visintin, Winzer und Eigentümer des Weinguts Veralda, markiert einen historischen Meilenstein für den istrischen Weinbau.
Geschützte Ursprungsbezeichnung als Qualitätsversprechen
Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung bieten mehr als nur Herkunft. Sie sind Ausdruck einer Philosophie, die auf Authentizität, Terroir, Qualitätsbewusstsein und regionaler Identität basiert. In der Bujština bedeutet das konkret: Jeder Wein, der das Herkunftssiegel trägt, stammt zu hundert Prozent aus der definierten Region rund um Buje. Damit wird nicht nur der Ursprung gesichert, sondern auch ein hoher Qualitätsanspruch erfüllt, der sich durch die klimatischen Bedingungen, die Bodenbeschaffenheit und die traditionsreiche Handwerkskunst der lokalen Winzer ergibt.
Diese geschützte Bezeichnung eröffnet neue Perspektiven für den Weinbau in Istrien. Sie stellt eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft her und bringt regionale Charakteristika auf elegante Weise ins Glas. Für Luciano Visintin ist dieser Schritt ein logischer Ausdruck eines jahrelangen Engagements, das auf der Überzeugung basiert, dass Istrien nicht nur mithalten, sondern Maßstäbe setzen kann.
Luciano Visintin: Visionär mit historischem Gespür
Der Antrieb hinter der Entstehung des herkunftsgeschützten Gebiets Bujština war der Wunsch, eine klare Identität für die Weine aus der Region zu schaffen. Luciano Visintin, der mit dem Weingut Veralda längst internationale Anerkennung genießt, war es, der 2021 den Winzerverband Bujština gründete. Sein Ziel war es, die Region offiziell schützen zu lassen und sie auf die Landkarte der bedeutenden europäischen Weinherkünfte zu bringen.
Die nationale Anerkennung war dabei nur der Anfang. Der nächste Schritt ist die Registrierung auf EU-Ebene, wodurch die Bujština nicht nur in Kroatien, sondern in der gesamten Europäischen Union als geschütztes Weinbaugebiet anerkannt werden soll. Damit verbunden ist ein Versprechen an den Konsumenten: Hier bekommt man Weine, die mit größter Sorgfalt und im Einklang mit dem Terroir erzeugt wurden.
Kaštanjari: Eine Lage mit Geschichte und Zukunft
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Einzellage „Kaštanjari – Castagnari“, die Visintin nun ebenfalls offiziell registrieren lassen will. Diese Lage, südlich von Buje gelegen, zählt zu den ältesten und renommiertesten der Region. Schon zur Zeit der k.u.k. Monarchie und während der italienischen Herrschaft im frühen 20. Jahrhundert war Kaštanjari für ihre außergewöhnlichen Voraussetzungen bekannt. Weiße Flyschböden, perfekte Südlage und eine stetige Brise vom Meer machen das Mikroklima der Lage zu einem idealen Umfeld für den Anbau anspruchsvoller Weißweine.
Heute wird die Lage von drei Weingütern bewirtschaftet: Veralda, Ivica Matošević und Bastian. Sie alle vereint der Wunsch, das Potenzial von Kaštanjari in reinsortigen, charakterstarken Weinen zum Ausdruck zu bringen. Die Weine, die hier entstehen, zeichnen sich durch ihre ausgeprägte Mineralität, tiefe Struktur und eine markante Sortentypizität aus.
Der Malvazija Castagnari: Eine Hommage an das Terroir
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Qualität, die in Kaštanjari möglich ist, liefert der „Malvazija Castagnari 2021“ vom Weingut Veralda. Als Single Vineyard abgefüllt, spiegelt dieser Wein das Terroir der Lage in beeindruckender Präzision wider. Zwei Jahre reift er auf der Feinhefe in Edelstahltanks und entwickelt dabei eine komplexe Aromatik. Noten von Akazienblüten, Birne, reifem Apfel und tropischen Früchten verbinden sich zu einem eleganten, vielschichtigen Profil. Die milde Säure und die fein nuancierte Frucht machen ihn zum idealen Begleiter für Fischgerichte, Meeresfrüchte und gereiften Käse.
Die Fachwelt zeigt sich begeistert. Master Sommelier Alex Koblinger, mehrfach ausgezeichneter Sommelier des Jahres in Österreich, hebt die Balance zwischen Frucht und Säure hervor und beschreibt den Wein als Überraschung für anspruchsvolle Gaumen. Auch Ivan Barbic, Master of Wine mit Sitz in der Schweiz, lobt die Intensität und Komplexität des Weins, dessen Aromatik feine Anklänge an Dörraprikosen und Botrytistrauben aufweist. Für ihn besitzt der Malvazija Castagnari großes Entwicklungspotenzial und ist ein klares Statement für die Qualität der Region.
Terroir als Ausdruck kultureller Identität
Die Bedeutung des Terroirs geht in der Bujština über den rein önologischen Aspekt hinaus. Die Landschaft, die Rebsorten, das Klima und der Mensch bilden eine Einheit, die sich in jedem Glas widerspiegelt. Der Schutz der Ursprungsbezeichnung ist daher nicht nur ein Instrument zur Qualitätssicherung, sondern auch ein Mittel zur Bewahrung kultureller Identität. Denn der Weinbau in Bujština blickt auf eine lange Geschichte zurück, die eng mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Region verknüpft ist.
Die alten Karten, auf denen bereits vor über hundert Jahren die Lage Kaštanjari eingezeichnet war, zeugen vom tief verwurzelten Weinwissen, das hier über Generationen weitergegeben wurde. Mit der offiziellen Anerkennung erhält dieses Wissen nun den institutionellen Rahmen, den es verdient. Die Weine aus Bujština erzählen Geschichten von Tradition, von Handwerk und von einem tiefen Verständnis für das, was guter Wein wirklich bedeutet.
Internationale Perspektiven für den istrischen Wein
Mit dem Aufstieg der Bujština als geschütztes Weinbaugebiet öffnet sich für Istrien eine Tür zu neuen Märkten und einem anspruchsvollen Publikum. Die Weine der Region haben in den letzten Jahren stetig an Profil gewonnen und werden zunehmend in hochwertigen Restaurants und Weinbars geführt. Besonders im deutschsprachigen Raum steigt das Interesse an istrischen Weinen, die mit Frische, Struktur und Eleganz überzeugen.
Die Kombination aus mediterranem Klima, mineralreichen Böden und einem wachsenden Qualitätsbewusstsein der Winzer macht Istrien zu einer Region mit großem Potenzial. Bujština könnte dabei zur Blaupause für weitere herkunftsgeschützte Zonen in Kroatien werden. Das Engagement der Winzer vor Ort, allen voran Luciano Visintin, beweist, dass sich Leidenschaft und Professionalität durchaus verbinden lassen.
Weingut Veralda: Familienbetrieb mit internationalem Anspruch
Das Herz der Bewegung schlägt auf dem Weingut Veralda. Dort, in Brtonigla unweit von Buje, setzt die Familie Visintin auf moderne Kellertechnik, nachhaltige Anbaumethoden und kompromisslose Qualität. Neben dem Malvazija Castagnari entstehen hier auch andere bemerkenswerte Weine, darunter verschiedene Malvazija-Varianten, Teran, Rosé und Cuvées, die regelmäßig bei internationalen Wettbewerben prämiert werden.
Veralda versteht sich als Bindeglied zwischen Tradition und Innovation. Die Familie bewirtschaftet ihre Weinberge mit großer Sorgfalt und ist fest in der Region verwurzelt. Tochter Olga Visintin ist längst in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und trägt mit frischen Ideen zur Weiterentwicklung des Betriebs bei. Die Kombination aus generationsübergreifendem Wissen und zeitgemäßem Qualitätsdenken verleiht Veralda seine besondere Handschrift.
Weine aus Istrien entdecken und erleben
Wer die Weine der Bujština erleben möchte, kann dies mittlerweile bequem auch außerhalb Kroatiens tun. Der Vertrieb in Deutschland und Österreich erfolgt unter anderem über den Online-Shop www.delicije.de. Hier finden sich zahlreiche Spitzenweine aus der Region, darunter auch der begehrte Malvazija Castagnari. Für Genießer, die das Besondere suchen, ist dies eine hervorragende Gelegenheit, sich einen authentischen Eindruck vom Potenzial istrischer Weine zu verschaffen.
Auch ein Besuch vor Ort lohnt sich. Die Weingüter der Bujština laden regelmäßig zu Verkostungen ein, bieten Führungen durch die Weinberge und ermöglichen tiefe Einblicke in den Herstellungsprozess. Dabei wird deutlich, dass Wein hier nicht nur ein Produkt ist, sondern Ausdruck einer Lebensweise, die eng mit der Natur, der Geschichte und der Kultur verbunden ist.
Ausblick: Istrien als Weinregion von europäischem Rang
Mit der offiziellen Anerkennung als herkunftsgeschütztes Gebiet und der bevorstehenden EU-Registrierung hat die Bujština einen entscheidenden Schritt auf dem Weg in die europäische Weinelite gemacht. Die Voraussetzungen dafür sind ideal. Das Terroir ist vielfältig, das Klima begünstigt, die Winzer sind ambitioniert und international vernetzt. Nun gilt es, das neue Profil weiter zu schärfen, bestehende Qualitäten zu festigen und die Region als unverwechselbare Herkunft am Markt zu etablieren.
Die Geschichte der Bujština ist dabei exemplarisch für die Entwicklung des istrischen Weinbaus insgesamt. Sie zeigt, was möglich ist, wenn Vision, Leidenschaft und Handwerkskunst aufeinandertreffen. Für Genießer bedeutet das eine spannende Entdeckungsreise durch eine Region, die mit jedem Jahr an Tiefe, Vielfalt und Ausdruckskraft gewinnt.
Quelle: Tourismusverband Istrien, 24.07.2025
Bild: Merlo de Graia











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